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Weltlesebhne

Köln | 22. April 2016 | 19.30 Uhr
Lea Goldbergs Petrarca
Ein Widerhall biblischer und weltlicher Poesie
Vortrag und Lesung mit Gundula Schiffer

Ort: Lengfeld’sche Buchhandlung, Kolpingplatz 1, 50667 Köln
Eintritt frei

Die einzigen hebräischen Übersetzungen aus Petrarcas "Canzoniere" stammen von der Dichterin Lea Goldberg, auch "Königin israelischer Literatur" genannt. 1953 erschien das kleine Bändchen mit einem Essay bei Sifriat Poalim, Tel Aviv. Für Goldberg, 1911 in Königsberg geboren, 1933 in Bonn promoviert und 1970 in Jerusalem gestorben, zählten Dante und Petrarca zeitlebens zu den prägenden Vorbildern. Zeitgleich mit den "Canzoniere"-Übersetzungen entstand ihr eigener Gedichtzyklus "Die Liebe der Teresa de Meun", gleichsam Zeugnis eines "verspäteten israelischen Petrarkismus". Die übersetzten wie die eigenen Sonette entwickeln dabei einen Assoziationsradius, der von der klassisch-biblischen über die mittelalterliche bis zur modernen (hebräischen) Poesie ausstrahlt.

In einem Vortrag gibt Gundula Schiffer Einblick in einen besonderen kultur- und zeitenüberbrückenden poetischen Dialog. Grundlage der Textbetrachtungen sind eigene deutsche Zweitübersetzungen von Lea Goldbergs Petrarca-Übersetzungen sowie von deren "Teresa"-Sonetten. So wird einerseits beleuchtet, wie die Verwandlung des "Canzoniere" ins Hebräische biblische Resonanzen erzeugt. Andererseits erhält das Publikum bei den deutschen (Zweit-)Fassungen die Möglichkeit, den verzweigten Entstehungsprozess von Lyrik-Übersetzungen nachzuvollziehen.

Gundula Schiffer, geboren 1980, lebt als Literatin und Übersetzerin aus dem Hebräischen, Französischen und Englischen in Köln. Sie studierte vor allem Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in München, widmete sich anschließend der hebräischen Sprache und Literatur, u.a. an der Hebräischen Universität in Jerusalem, und promovierte 2010 über die Poesie der Psalmen in der Übersetzung von Moses Mendelssohn. Für die Arbeit an Lea Goldbergs Roman "Verluste – Antonia gewidmet" (Arco 2015) erhielt sie 2014 das erste Nachwuchsstipendium für Literaturübersetzer der Kunststiftung NRW. Im Sommersemester 2016 nimmt sie einen Lehrauftrag für "Moderne hebräische Literatur in deutscher (& englischer) Übersetzung" am Martin-Buber-Institut für Judaistik der Universität zu Köln wahr. Eine Veranstaltung der Weltlesebühne e.V., gefördert durch die Robert Bosch Stiftung.

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