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Weltlesebhne

Weltlesebühne im Literaturhaus Berlin 
Berlin | 29. Januar 2014 | 20 Uhr
Den Toten Name und Stimme geben
– Vielstimmigkeit in Roman und Übersetzung

Ein schwedischer Dokumentarroman über das jüdische Getto in Łódź, ein italienischer Roman über ein Roma-Lager im heutigen Italien

Mit Gisela Kosubek und Maja Pflug
Moderation: Martina Kempter

Ort: Literaturhaus, Großer Saal
Fasanenstr. 23, 10719 Berlin
Eintritt 5 / 3 Euro

Steve Sem-Sandbergs Roman „Die Elenden von Łódź“ (schwedisches Original erschienen 2009, in Gisela Kosubeks dt. Übersetzung bei Klett-Cotta, 2011) erzählt, basierend auf historischen Dokumenten, die Geschichte des jüdischen Gettos im von den deutschen Besatzern so genannten Litzmannstadt von seiner Errichtung Ende 1939 bis zu seiner Auflösung im August 1944. Er beschreibt, fiktionalisiert und literarisiert den Alltag, das Elend des Lebens und Sterbens seiner Bewohner. Im Zentrum steht dabei die zwiespältige Figur des so über- wie ohnmächtigen „Judenältesten“ Mordechai Chaim Rumkowski, Handlangers der Nazihenker. Zahllose andere Figuren, reale wie fiktive, bevölkern den Roman, bekommen darin Gesicht, Namen, Stimme – und ein grauenvolles Kapitel der Vernichtung der europäischen Juden wird zu einer eindringlichen Polyphonie des Totengedenkens gestaltet.

Auch Milena Magnani führt uns in ihrem Roman „Der gerettete Zirkus“ (ital. Original erschienen 2008, in Maja Pflugs dt. Übersetzung 2010 bei Edition Nautilus) mitten in die durch gesellschaftliche Diskriminierung, Absonderung, Elend und Gewalt gezeichnete Lebenssituation in einem italienischen Romalager unserer Gegenwart. Dessen Bewohner kommen aus verschiedenen südosteuropäischen Herkunftsländern und sprechen viele Sprachen. Magnanis Erzählerfigur ist ein sterbender ungarischer Rom, dessen Lebenserinnerung sich zurückbezieht auf den Tod seiner Vorfahren im Vernichtungslager Birkenau. Höchst poetisch, vollkommen unsentimental und sachlich genau führt Magnanis „geretteter Zirkus“ vom Tod jedoch zurück ins Leben.

Die Übersetzerinnen lesen aus den beiden Romanen und bringen deren Vielstimmigkeit zu Gehör. Im Gespräch wird es darum gehen, welche übersetzerische Herausforderung die Sprachen- und Stimmenvielfalt bedeutet.

Gisela Kosubek, geb. 1941 in Breslau, war von 1969 bis 1990 Lektorin für schwedische und finnische Literatur beim Verlag Volk und Welt; seither lebt sie als freiberufliche Übersetzerin aus drei nordischen Sprachen, hauptsächlich dem Schwedischen, in Berlin.
Maja Pflug, geb. 1946, hat zahlreiche Bücher der italienischen Literatur übersetzt, u.a. von Cesare Pavese, Pier Paolo Pasolini, Natalia Ginzburg, Fabrizia Ramondino. Über Ginzburg schrieb sie auch eine Werkbiographie („Natalia Ginzburg. Eine Biographie“, Wagenbach 1995). Sie lebt und arbeitet in Rom und in München.
Martina Kempter, geb. 1961, übersetzt ebenfalls aus dem Italienischen, Belletristik (z.B. Alberto Savinio) und Sachbücher (Geschichte, Kunstgeschichte). Sie lebt in Berlin.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Berlin.

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