Suche

Weltlesebhne

Heidelberg | 30. September 2015 | 11 – 17 Uhr
Mit ÜberSETZern ÜBERsetzen
Auf der Neckarfähre lesen, diskutieren und erzählen:

Abfahrt 11 Uhr, Ankunft 12.35 Uhr
Věra Koubová: »Wie klingt Kafka auf Tschechisch?«
Lesung und Gespräch über Tücken und Techniken der Kafka-Übersetzung ins Tschechische
Rezitation der deutschen Kafka-Texte: Klaus Knobloch
Moderation: Regina Keil-Sagawe

Věra Koubová, 1953 in Klobouky u Brna geboren, hat nach Sprachmittlerstudium (Englisch-Deutsch) und Promotion an der Karlsuniversität Prag zum Thema »Originalität der Sprache als Übersetzungsproblem« (über die tschechischen Übersetzungen des »Ulysses« von James Joyce) neben Kafka u.a auch Nietzsche und Schopenhauer, Novalis und Rilke, Ernst Jandl und Hugo Ball, Peter Bichsel und Peter Handke ins Tschechische übersetzt. Förderpreis der Robert Bosch Stiftung (1999), Josef-Jungmann-Preis (2005), Magnesia-Litera-Preis 2013 (für die Übersetzung von »Traumsaum« von Richard Pietraß).

Abfahrt 13 Uhr
Juliane Gräbener-Müller: »Die Wand zwischen uns« von Tecia Werbowski

In »Le mur entre nous« erzählt die in Kanada und Prag lebende polnische Autorin vom Verrat einer Schriftstellerin an ihrer im Holocaust umgekommenen Freundin und thematisiert pointiert den Umgang mit politischer und persönlicher Geschichte im Zeitalter ihrer medialen Verwertbarkeit.

Juliane Gräbener-Müller ist seit 1980 freiberufliche Literaturübersetzerin, Lektorin und Gutachterin. Sie übersetzt Belletristik und Sachbücher aus dem Englischen und Französischen.

Abfahrt 14 Uhr
Maria Hoffmann-Dartevelle: »Sturz ins Blaue« von Daniel de Roulet

In »L’Homme qui tombe« erzählt der Schweizer Autor von George, einem Sicherheitsexperten für AKWs, der sein Leben fest im Griff hat, bis er sich in eine Asyl suchende Tschetschenin verliebt, die in ihre Heimat abgeschoben werden soll. George engagiert sich und verliert dabei den Boden unter den Füßen.

Maria Hoffmann-Dartevelle übersetzt seit ca. 25 Jahren Literatur aus dem Französischen und Spanischen, u.a. Werke von René Crevel, Raymond Queneau, Daniel de Roulet, César Aira, Elena Poniatowska.

Abfahrt 15 Uhr
Angela Tschorsnig: »200 Jahre Geschichte der Rheinschifffahrt 1815-2015«

Vom schlingernden Werdegang der in vier Ausgaben (DT-NL-EN-FR) erschienenen Festschrift der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt mit Auszügen (aus der deutschen Fassung) zu den Ursprüngen der Freiheit der Binnenschifffahrt – auch auf dem Neckar.

Angela Tschorsnig lebt in Karlsruhe, übersetzt seit 1987 aus dem Französischen und Arabischen (Driss Chraïbi, »Ermittlungen im Landesinnern«, Hanna Mina, »Bilderreste«, u.a.) und fertigt auch Fachübersetzungen an, v.a. im Bereich der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Oberrheingebiet.

Abfahrt 16 Uhr
Regina Keil-Sagawe: »Die letzte Nacht des Muammar al-Gaddafi« von Yasmina Khadra
Lesung und Gespräch mit Bernd Henninger (Lektor)

In seinem neuesten Roman, der diesen Herbst parallel im französischen Original »La dernière nuit du Rais« und in englischer, italienischer, spanischer und deutscher Übersetzung erscheint, schlüpft der algerische Erfolgsautor in die Haut des libyschen Diktators. Übersetzerin und Lektor lesen und erzählen vom Entstehen der Übersetzung eines variantenreichen Originals.

Nach ihrem Studium der Romanistik und Germanistik in Bonn und Paris lebt Regina Keil-Sagawe seit 1984 als literarische Übersetzerin und Publizistin in Heidelberg, wo sie Impulse für den Kulturdialog mit dem Maghreb setzt. Sie hat ca. 40 Titel maghrebinischer Autoren ins Deutsche übertragen, u.a. Boualem Sansal, Friedenspreisträger des Dt. Buchhandels 2011.

Ort: Heidelberg, Neckarfähre »Liselotte von der Pfalz«, Abfahrt jeweils von der Anlegestelle »Stadthalle«
»Liselotte von der Pfalz« kostenpflichtig: Einzelticket 6 Euro, Tagesticket 10 Euro. Es gelten die üblichen Ermäßigungen.


Heidelberg | 30. September 2015 | 20 – 22 Uhr
»... dabei liebe ich doch gar nicht Dich ...«
Die Metapher in Franz Kafkas Briefen an Milena Jesenská

Eine literarisch-musikalische Performance
von und mit der tschechischen Kafka-Übersetzerin und Fotografin Věra Koubová zur Finissage ihrer Foto-Ausstellung »Von der Oberfläche gelesen: Kafkas Prag«
Musik: Otto Engelhardt
Moderation und Gespräch: Peter Staengle

Die Kafka-Übersetzerin und Fotografin (Prager Fotoschule 1986-1989) Věra Koubová, die in ihren Fotoserien gern in den Dialog mit der Literatur eintritt, transponiert in ihrer Ausstellung »Von der Oberfläche gelesen« Kafkas literarische Methode der Metapher ins Visuelle. Anlässlich der Finissage trägt sie Kafkas Milena-Briefe vor und reflektiert über die Problematik der Metaphern-Übersetzung.

Otto Engelhardt, deutsch-französischer Pianist, hat für Koubová eine musikalische »Übersetzung« der Milena-Briefe komponiert. Peter Staengle, Mitherausgeber der »Historisch-Kritischen Franz-Kafka-Ausgabe«, hat drei der Milena-Briefe in einer Faksimile-Ausgabe ediert.

In Zusammenarbeit mit der Stadt Heidelberg, der Stadtbücherei Heidelberg und dem Deutsch-Amerikanischen Institut Heidelberg

Ort: Deutsch-Amerikanisches Institut, Sofienstraße 12, 69115 Heidelberg
Eintritt frei

Heidelberg | 22. Januar 2015 | 19.30 Uhr
Im Taubenschlag der Sprache
Isaak Babels Erzählungen

Mit Urs Heftrich und Bettina Kaibach
Moderation: Regina Keil-Sagawe

Ort: Stadtbücherei Heidelberg,
Hilde-Domin-Saal,
Poststraße 15

Eintritt frei!

Die Heidelberger Slavisten Urs Heftrich und Bettina Kaibach haben sich der Vermittlung osteuropäischer Literatur nach Deutschland verschrieben, Urs Heftrich als Übersetzer von mehr als 40 slavischen Lyrikern, Bettina Kaibach als Übersetzerin russischer sowie tschechischer Prosa und Dichtung.
Für die literarische Übertragung aus dem Russischen gibt es kaum eine größere Herausforderung als Babels Texte. In einem Werkstattgespräch stellen Bettina Kaibach und Urs Heftrich die bei Carl Hanser erschienenen Neuübersetzungen von Babels Erzählungen „Mein Taubenschlag“ vor.

Isaak Babel (1894–1940) ist nicht nur einer der Großen der Weltliteratur, sondern auch eine exemplarische Gestalt der russisch-jüdischen Geschichte. Babel schrieb, wie Marcel Reich-Ranicki bemerkte, "viel und veröffentlichte wenig ... Er war aus dem Geschlecht jener, die einen Wald fällen mussten, um ein Streichholz zu produzieren."

Isaak Babel war in der Tat ein herausragender Stilist, der besessen an seinen Texten feilte. In der Stimmenvielfalt seiner Texte mischt sich der Jargon odessitischer Ganoven mit dem Pathos biblischer Propheten, die nüchterne Knappheit der Reportage mit der ornamentalen Wortfülle lyrischer Dichtung. Mit dem Slang der jüdischen Gangster in den Geschichten aus Odessa hat Babel sogar eine eigene Sprache geschaffen, die in Russland längst mythische Qualität erlangt hat.

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne e.V. in Kooperation mit der Stadtbücherei Heidelberg

oben