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Weltlesebhne

Berlin | 15. Juni 2019 | 20 Uhr
Tigertattoos und Rosengärten
Sandra Hetzl und Oliver Kontny im Dialog über ihre Übersetzungen aus dem Arabischen und Türkischen
Ort: BuchHafen, Okerstraße 1, 12049 Berlin
Eintritt frei

Eine arabische Erzählerin, deren Frauenfiguren nicht "zwischen Tradition und Moderne gefangen" sind, sondern mit Tigertattoos gewappnet den Absurditäten eines Alltags trotzen, in dem nichts mehr alltäglich ist – und in dem eine teils surreale, teils popkulturelle Gegenwelt winzige, vorübergehende Räume der Autonomie schafft? Ein Roman aus der Türkei, der weder in der Melancholie Istanbuls schwelgt noch die dunklen 80er Jahre aufarbeitet – sondern die Angst der Menschen in der Gegenwart mit einer Präzision beschreibt, die nur auszuhalten ist, indem Fluchtwege ins Märchenhafte geöffnet werden?
Die Vermittlung syrischer und kurdischer Gegenwartsliteratur gegen marktgängige Stereotype ist immer auch eine Arbeit an der Sprache. Wie können wir ihre Erzählweisen gleichzeitig als anders und doch als gegenwärtig markieren? Wie können verschiedene Sprachebenen und Erfahrungswelten eine Stimme im Deutschen finden?
Sandra Hetzl, Übersetzerin des Erzählbands "Eine Zusammenfassung von allem, was war" der jungen syrischen Autorin Rasha Abbas und Oliver Kontny, Übersetzer des Romans "Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam" des kurdischen Autors Yavuz Ekinci, stellen in einer Lesung die Texte vor, um dann im Dialog Sprache, Textur, Räume und Figuren zu betrachten. Im Rahmen der Reihe "Sprachwandler – die Kunst der literarischen Übersetzung" im BuchHafen Berlin.

Sandra Hetzl studierte an der Universität der Künste Berlin Visual Culture Studies und übersetzt zeitgenössische literarische Texte vom Arabischen ins Deutsche, darunter Werke von Aboud Saeed, Rasha Abbas, Raif Badawi und Assaf Alassaf sowie Theatertexte u. a. von Rabih Mroué. Sie ist der Kopf hinter 10/11, einem Kollektiv zur Verbreitung zeitgenössischer arabischer Literatur, das unter anderem als literarische Agentur fungiert.

Oliver Kontny studierte Philosophie, Geschichte, Iranistik und Turkologie. Seit 2005 ist er als Konferenzdolmetscher und Übersetzer tätig. Sein Hörspiel "Republik der Verrückten" wurde 2014 für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert und gewann beim Berliner Hörspielfestival. Er hat u. a. den Krimi-Autor Emrah Serbes übersetzt und arbeitet zurzeit an der Übersetzung des zweiten auf Deutsch verlegten Romans von Yavuz Ekinci.

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne e. V. in Zusammenarbeit mit BuchHafen Berlin. Gefördert vom Deutschen Übersetzerfonds e. V.

Berlin | 12. Februar 2019 | 19.30 Uhr
Ontologie aus einfachen Dingen. Zbigniew Herbert wiedergelesen
Lesung und Gespräch mit Tomasz Różycki und Jan Wagner, dazu Dokumentarfilmmaterial aus den sechziger Jahren.
Moderation: Dorota Stroińska
Ort: Literarisches Colloquium Berlin, Am Sandwerder 5, 14109 Berlin
Eintritt frei

Stellt man sich die polnische Literatur als Gebäude vor, müsste man ein geräumiges Berliner Zimmer darin einrichten. Viele bedeutende polnische Autorinnen und Autoren haben hier gelebt und geschrieben - durchaus nicht nur im Modus inniger Zuneigung. Die literarisch-urbane Osmose zeigt sich besonders eindrucksvoll im Werk Zbigniew Herberts (1924-1998), der prägend nicht nur für polnische, sondern auch für eine ganze Generation deutscher und angelsächsischer Lyriker der sechziger und siebziger Jahre wurde. Einer ideologisch kontaminierten Welt setze er eine "Ontologie aus einfachen Dingen" entgegen. West-Berlin war Herberts Lieblingsstadt, schließlich begann seine internationale Karriere Mitte der sechziger Jahre als Gast der LCB-Veranstaltungsreihe "Ein Gedicht und sein Autor". Über Herberts Poesie und Poetik, über ihre Wirkung und Inspiration für das eigene Schreiben sprechen die Lyriker und Übersetzer Tomasz Różycki, derzeit Gast des DAAD-Künstlerprogramms, und Büchnerpreisträger Jan Wagner, moderiert von der Literaturübersetzerin Dorota Stroińska. Dazu zeigen wir Filmausschnitte aus "Ein Gedicht und sein Autor" vom Winter 1966/67 und aus einem Herbert-Porträt von Lore Ditzen (SFB 1969).

Tomasz Różycki (geb. 1970 in Opole, Polen) studierte Romanistik an der Jagiellonen Universität in Kraków, ist Lyriker, Essayist und Übersetzer französischer Lyrik (u. a. Artur Rimbaud, Victor Segalen, Jacques Burko und Stéphane Mallarmé). Seine Veröffentlichungen in deutscher Sprache umfassen lyrische Werke, darunter das epische Poem "Zwölf Stationen" (übers. von Olaf Kühl, Luchterhand Literaturverlag, München 2009), einen Roman "Bestiarium" (übers. von Marlena Breuer, edition.fotoTAPETA, Berlin 2016 ) und zuletzt den Gedichtband "Der Kerl, der sich die Welt gekauft hat" (übers. von Bernhard Hartmann, edition.fotoTAPETA, Berlin 2018). Różycki, der gerade Stipendiat des Berliner Künstlerprogramms des DAAD ist, wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit Kościelski-Preis (2004), Brodsky-Preis (2006), Arts & Literary Prize 3 Quarks Daily, war Finalist des NIKE-Literaturpreises 2007, des Gdynia-Literaturpreises 2007, 2011 und des Wisława-Szymborska-Preises. Seine Gedichte wurden u. A. ins Spanische, Französische, Englische, Bulgarische, Deutsche, Litauische, Russische, Slowenische und Ukrainische übersetzt.

Jan Wagner (geb. 1971 in Hamburg) studierte Anglistik, u.a. am Trinity College in Dublin, ist Lyriker, Herausgeber und Übersetzer englischsprachiger Lyrik (u.a. Matthew Sweeney, Charles Simic, Robin Robertson, James Tate). Er debütierte mit dem Gedichtband "Probebohrung im Himmel" (Berlin Verlag, Berlin 2001), seitdem veröffentlichte er zahlreiche Gedichtbände, zuletzt "Die Live Butterfly Show" (Hanser Berlin, Berlin 2018), für die er vielfach ausgezeichnet wurde. Mit seinem Gedichtband "Regentonnenvariationen" (Hanser Berlin, 2014) gewann er 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse, 2017 wurde Jan Wagner mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt. Seine Gedichte wurden in dreißig Sprachen übersetzt. Er ist u.a. Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste sowie der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.

Dorota Stroińska (geb. 1965 in Poznań, Polen) lebt seit 1986 in Berlin. Sie studierte Germanistik und Slawistik in Poznań, Berlin und New York. Seit 1994 arbeitet sie als Literaturübersetzerin aus dem Deutschen ins Polnische (u.a. Karl Jaspers, Rüdiger Safranski, Lutz Seiler, Christian Kracht, Sibylle Lewitscharoff, Ilse Aichinger). Ausgezeichnet mit dem Übersetzerpreis des polnischen Übersetzerverbandes (1998). Nominiert für den Mitteleuropäischen Literaturpreis ANGELUS (2018). Leiterin der Deutsch-Polnischen Übersetzerwerkstatt ViceVersa (seit 2008), Gründerin und Koordinatorin des deutsch-polnischen Übersetzerstammtisches "sztamtysz" in Berlin (seit 2006). Forschungstätigkeit im Karl Dedecius Archiv am Collegium Polonicum (2010-2012), aus der zahlreiche Publikationen zur Theorie und Praxis literarischer Übersetzung hervorgingen. Regelmäßige Moderationen, Seminare, Veranstaltungen und Lesungen für erwachsene und junge Leser.

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne e.V. in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin. Gefördert vom Deutschen Übersetzerfonds e. V.