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Weltlesebhne

Berlin | 1. Dezember 2018 | 14 Uhr
Im Schatten des Literaturbetriebs: Wer will Übersetzer*innen sehen?
Podiumsdiskussion mit Thomas Böhm, Martina Kempter und Olga Radetzkaja
Moderation: Julian Müller
Ort: Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin
Eintritt frei

Wer sichtbar ist, wird gelesen – das gilt für auf Deutsch geschriebene und ins Deutsche übersetzte Bücher gleichermaßen. Bestsellerautor*innen werden oft zur eigenen Marke und entwickeln eine Fangemeinde. Bestsellerübersetzer*innen hingegen selten. Wie steht es um die Sichtbarkeit von Übersetzer*innen im Literaturbetrieb? Welche Faktoren spielen hierbei eine Rolle? Mit welchen Strategien können Übersetzer*innen zu sichtbaren Akteuren werden?

Thomas Böhm leitete das Programm des Literaturhauses Köln (1999 – 2010), des internationalen literaturfestivals berlin (2014 – 2016) und gestaltete das Programm des Ehrengastauftritte Islands (2011), der Schweiz (2014) und Norwegens (2019) bei den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig. Zu seinen Veröffentlichungen gehören Bücher über die Lesung als Kunstform sowie zum Social Reading. Seit 2015 ist er Moderator der Sendung „Die Literaturagenten“ des rbb-Senders radioeins, für den er auch Lesungen mit internationalen Autorinnen organisiert und moderiert. Seine jüngsten Veröffentlichungen sind „Irrwege zum Ruhm. Weltliteratur in Korrektur“ und das Hörspiel zur ARD Fernsehserie „Babylon Berlin“

 Martina Kempter, geboren 1961 in Meßkirch, studierte Germanistik, Romanistik und Geschichte in Freiburg i. Br. und Bologna und übersetzt seit gut 25 Jahren aus dem Italienischen. Sie lebt und arbeitet in Berlin, zeitweise als wissenschaftliche Redakteurin (/Ästhetische Grundbegriffe/ und /Weimarer Beiträge/) und übersetzte unter anderem Carlo Ginzburg, Alberto Savinio, Marco d’Eramo. Martina Kempter ist Gründungsmitglied der Weltlesebühne e. V.

 Olga Radetzkaja, geboren 1965, studierte Slavistik und Komparatistik, Übersetzerin aus dem Russischen, u.a. von Lew Tolstoj, Julius Margolin, Evgenij Vodolazkin, Vladimir Sorokin, Viktor Schklowskij, Maria Stepanova. Sie ist Co-Autorin des Dokumentarfilms "Spurwechsel. Ein Film vom Übersetzen" (2003) und arbeitet seit 2008 als Redakteurin bei der Zeitschrift OSTEUROPA.

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne e.V. in Zusammenarbeit mit der Lettrétage e.V. Gefördert von TOLEDO – ein Programm der Robert Bosch Stiftung und des Deutschen Übersetzerfonds.

Berlin | 19. November 2018 | 19 Uhr
Die Kunst, Platonow zu übersetzen
Ort: Buchhandlung buch|bund, Sanderstraße 8, 12047 Berlin-Neukölln
Eintritt: 4 €

"Es ist im 20. Jahrhundert kein schöneres, furchtbareres und klügeres Buch über Totalitarismus und Utopie geschrieben worden. Nichts, was der Ausdrucksstärke und dem Grauen von Andrej Platonows 'Baugrube' gleichkäme." Andrzej Stasiuk

Zwei Übersetzer/innen haben in jüngster Zeit Andrej Platonows Kurzroman "Die Baugrube" (1929) aus dem Russischen neu übersetzt – ins Polnische und ins Deutsche. Adam Pomorski, vielsprachiger Literaturwissenschaftler und Übersetzer u.a. von Goethes "Faust", brachte das Hauptwerk des sowjetischen Schriftstellers soeben im Czarne-Verlag heraus. Gabriele Leupolds Übersetzung erschien Ende 2016 bei Suhrkamp. Die beiden wollen sich gegenseitig nach ihrer Arbeit an dem für unübersetzbar geltenden Buch befragen. Wie sind Sie herangegangen? Wie unterscheidet sich Ihre Übersetzung von den bereits vorliegenden? Wie mit dem sowjetischen „Neusprech“ oder marxistischem „Kaderwelsch“ umgehen? Ist es leichter, Platonow aus der einen slawischen Sprache in die andere zu übersetzen? Wie liest man das Buch heute in Polen, in Deutschland? Mit den beiden Übersetzer/innen spricht Katharina Raabe, die Platonow-erprobte Lektorin für osteuropäische Literatur im Suhrkamp Verlag.

Sprache: Deutsch/Polnisch mit Simultanübersetzung. Für ein Headset Anmeldung erforderlich unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Gabriele Leupold, Literaturübersetzerin aus dem Russischen (Andrej Belyj, Vladimir Sorokin, Warlam Schalamow u.v.a.m.) und Veranstalterin von Workshops für Übersetzer und Studierende. Im laufenden Wintersemester ist sie August-Wilhelm-Schlegel-Gastprofessorin für Poetik der Übersetzung an der FU Berlin.

Adam Pomorski, Literaturwissenschaftler, Soziologe, Essayist und Kritiker, übersetzt aus dem Russischen (zuletzt Welimir Chlebnikow, Fjodor Dostojewskij und Ossip Mandelstam), aus dem Deutschen, Englischen und weiteren slawischen Sprachen. Seit 2010 ist er Präsident des polnischen PEN-Clubs.

Katharina Raabe studierte Musik und Philosophie. Als Lektorin im Suhrkamp Verlag Berlin kümmert sie sich seit vielen Jahren um die Entdeckung und Durchsetzung osteuropäischer Autoren und Themen im deutschsprachigen Raum.

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne e.V. in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung buch|bund. Gefördert von TOLEDO – ein Programm der Robert Bosch Stiftung und des Deutschen Übersetzerfonds.

Berlin | 29. November 2018 | 20 Uhr
Ursula K. Le Guin auf Deutsch
Lesung und Gespräch mit Karen Nölle über die Neuübersetzung des "Erdsee"-Zyklus und "Freie Geister"
Moderation: Nadine Püschel
Ort: Buchhandlung Otherland, Berlin-Kreuzberg, Bergmannstraße 25
Eintritt frei

Die im Januar 2018 verstorbene US-amerikanische Autorin Ursula K. Le Guin gilt als eine der bedeutendsten und einflussreichsten Science-Fiction- und Fantasy-Autorinnen weltweit. Im Verlag Fischer TOR sind sowohl ihr Roman "Freie Geister" (The Dispossessed) als auch – in einer bibliophilen Gesamtausgabe unter Mitarbeit von Hans-Ulrich Möhring und Sara Riffel – der "Erdsee"-Zyklus in der Neuübersetzung von Karen Nölle erschienen. Bei dem Abend mit Lesung und Gespräch in der auf Science Fiction und Fantasy spezialisierten Buchhandlung Otherland wird es u. a. um die Besonderheiten des Übersetzens von phantastischer Literatur, den Stellenwert der Autorin weltweit und im deutschsprachigen Raum und die neuen Akzente in der aktuellen Übersetzung gehen.

Karen Nölle übersetzt seit vielen Jahren aus dem Englischen, fast nur Belletristik, fast immer von Autorinnen, am liebsten solchen wie Alice Munro, Janet Frame, Eudora Welty, Annie Dillard oder natürlich Ursula K. Le Guin. Nebenbei ist sie freie Lektorin, Autorin von Reisebüchern und seit 2010 eine der Programmmacherinnen im Verlag edition fünf.

Nadine Püschel arbeitet als Übersetzerin aus dem Englischen und Französischen, mit Schwerpunkten in den Bereichen Kinder- und Jugendliteratur und Film. Die "Erdsee"-Romane gehören zu den ersten Büchern, die sie als Jugendliche auf Englisch gelesen hat und ihr Lust auf das Übersetzen gemacht haben.

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne e.V. in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Otherland und Fischer TOR

Berlin | 12. September 2018 | 17.30 Uhr
Die Kunst des Literarischen Übersetzens
Die Weltlesebühne auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin (ilb)
Ort: Institut Français Maison de France
Kurfürstendamm 211
10719 Berlin
Eintritt € 8 | ermäßigt € 6

Institut Français | 17.30 Uhr
Festvortrag
Claudia Hamm

DIE KUNST DES LITERARISCHEN ÜBERSETZENS I
Als eine Form ästhetischer Praxis und Aneignung fremder Erfahrung bringt die Literaturübersetzung den literarischen Text und den kulturellen Kontext zum Ausdruck. Doch "Wem gehört ein übersetzter Text?" Unter diesem Titel reflektiert die Französischübersetzerin Claudia Hamm [u.a. Emmanuel Carrère] in ihrem Festvortrag über das filigrane wie wirkungsmächtige Geflecht von Praxis, Text und Autor*in.

Institut Français |19.00 Uhr
Übersetzerporträt Alida Bremer
Moderation: Dorota Stroińska

DIE KUNST DES LITERARISCHEN ÜBERSETZENS II
Sinn und Sinnlichkeit: Zum poetischen Werk wird eine Literaturübersetzung durch ihre sensible Sprachwahrnehmung und die mit allen Sinnen vollzogene Sprachverwandlung. In einer Lesung und im Gespräch mit der Übersetzerin Dorota Stroińska wird die kroatisch-deutsche Sprachkünstlerin Alida Bremer vorgestellt, die für ihre Übersetzung von Ivana Sajkos "Liebesroman" mit dem Internationalen Literaturpreis 2018 ausgezeichnet wurde.

Konzept und Organisation: Nora Bierich, Eva Bonné, Dorota Stroińska (Weltlesebühne e.V.)

Claudia Hamm, geb. 1969 in Jena, studierte Philosophie und Germanistik in Paris, Antofagasta (Chile) und Freiburg. Nach dem Studium arbeitete sie als Theaterregisseurin, Autorin von Bühnentexten, Performerin und Übersetzerin aus dem Französischen. Sie übersetzte u. a. Werke von Édouard Levé, Emmanuel Carrère und Nathalie Sarthou-Lajus. Drei Romane und ein Essay von Emmanuel Carrère erschienen in den letzten Jahren in ihrer deutschen Übersetzung: 2012 "Limonow", 2013 "Davos. Im Disneyland der Großen" (Essay), 2014 "Alles ist wahr" und 2016 "Das Reich Gottes", alle Titel bei Matthes & Seitz Berlin. 2016 war sie für die Übersetzung von Carrères "Das Reich Gottes" für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und hat den Übersetzerpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 2016 erhalten.

Alida Bremer, geb. 1959 in Split (Kroatien), studierte Romanistik, Slawistik und Germanistik in Belgrad, Rom, Saarbrücken und Münster und promovierte im Fach Vergleichende Literaturwissenschaft. Sie ist Autorin des Romans "Olivas Garten" (Eichborn Verlag 2013) und eine der wichtigsten Vermittlerinnen kroatischer Literatur in Deutschland. Sie übersetzte u. a. Werke von Edo Popović, Ivana Sajko, Renato Baretić und Marko Pogačar. Als Übersetzerin wurde sie für Ivana Sajkos "Liebesroman" mit dem Internationalen Literaturpreis 2018 des Hauses der Kulturen der Welt und für Iva Brdars Theaterstück "Daumenregeln" mit dem Brücke Berlin Theaterpreis 2018 ausgezeichnet.

Dorota Stroińska, geb. 1965 in Poznań (Polen), studierte Germanistik und Slawistik in Poznań, Berlin und New York und forschte im Karl Dedecius Archiv zu Theorie und Praxis der literarischen Übersetzung. Sie übersetzt deutschsprachige Literatur ins Polnische (u.a. Lutz Seiler, Christian Kracht, Ilse Aichinger, Karl Jaspers, Rüdiger Safranski) und auch polnische Literatur ins Deutsche (u.a. Kindersachbücher, Wojciech Kuczok). 1998 erhielt sie den Übersetzerpreis des polnischen Übersetzerverbandes. Sie ist Leiterin der Deutsch-Polnischen Übersetzerwerkstatt ViceVersa. Mit einer Vielzahl von Institutionen arbeitet sie als Projektleiterin, Kuratorin oder Moderatorin von Literaturveranstaltungen zusammen. www.dorotastroinska.de

Berlin | 23. März 2018 | 19 Uhr
Übersetzen und krieg
Lesung und Gespräch mit den Übersetzerinnen Leila Chammaa und Sabine Stöhr
Moderation: Dorota Stroińska
Ort: Lettrétage, Mehringdamm 61, 10961 Berlin
Eintritt 5/4 Euro

Literarische Zeugnisse aus Kriegsgebieten sind Botschaften aus einer dunklen Welt – wer wird sie entschlüsseln und wer will sie hören? Der ukrainische Autor Serhij Zhadan und zahlreiche arabische Autoren aus dem Libanon und dem Irak, aus Palästina und Syrien setzen sich dem existenziellen Schmerz und der Todesangst der Menschen aus; mitten in dieser unmenschlich und unheimlich gewordenen Welt erzählen sie Erhellendes über Hoffnung und Liebe. Wie viel persönlichen und sprachlichen Resonanzraum können oder dürfen die Übersetzerinnen den literarischen Botschaften geben? Wie halten sie in der Übersetzung die sprachliche Balance zwischen Empathie und Distanz, Grausamkeit und Mitgefühl, Verzweiflung und Emphase? Dorota Stroińska spricht über diese Fragen mit Sabine Stöhr, der Übersetzerin des aktuellen Romans "Das Internat" von Serhij Zhadan und Leila Chammaa, der Übersetzerin aus dem Arabischen.

Leila Chammaa, in Beirut/Libanon geboren, studierte Islamwissenschaft, Arabistik und Politologie an der FU Berlin und im Zusatzstudium Deutsch als Fremdsprache an der HU Berlin. Seit 1990 übersetzt sie arabische Literatur ins Deutsche, zunächst ausschließlich Prosa, seit einigen Jahren aber auch mit Begeisterung Lyrik. Sie übersetzte Romane u.a. von Sahar Khalifa, Elias Khoury, Alawiyya Sobh und Gedichte von Abbas Beydoun, Qassim Haddad, Zakaria Mohammed. Neben ihrer übersetzerischen Arbeit dolmetscht und moderiert sie Lesungen mit Schriftstellern und Lyrikern aus der gesamten arabischen Welt und kuratiert literarische Veranstaltungen. Sie ist außerdem als Beraterin und Gutachterin für Verlage, Kultureinrichtungen und Festivals im Bereich arabischer Literatur tätig.

Sabine Stöhr, 1968 geboren, studierte Slawistik in Mainz und Simferopol. Seit 2007 übersetzt sie gemeinsam mit Juri Durkot das Romanwerk von Serhij Zhadan. Für "Die Erfindung des Jazz im Donbass" erhielten beide 2014 den Literatur- und Übersetzungspreis "Brücke Berlin“. Im selben Jahr wurde Sabine Stöhr für ihre Übersetzungen aus dem Ukrainischen (v.a. des Werks von Juri Andruchowytsch) mit dem Johann-Heinrich-Voß-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet.

Dorota Stroińska studierte Germanistik und Slawistik in Poznań, Berlin und New York, forschte zu Theorie und Praxis der literarischen Übersetzung im Karl Dedecius Archiv. Seit 1994 übersetzt sie deutschsprachige Literatur ins Polnische (u.a. Lutz Seiler, Christian Kracht, Karl Jaspers, Rüdiger Safranski), und auch polnische Literatur ins Deutsche (u.a. Kindersachbücher, Wojciech Kuczok). 1998 erhielt sie den Übersetzerpreis des polnischen Übersetzerverbandes. Sie ist Leiterin der Deutsch-Polnischen Übersetzerwerkstatt ViceVersa, Gründerin und Koordinatorin des Übersetzer-„sztamtysz“ in Berlin. Gemeinsam mit dem Literarischen Colloquium Berlin, der Weltlesebühne und dem Goethe-Institut u.a. konzipiert, organisiert und moderiert sie Literaturveranstaltungen für erwachsene und junge Leser.

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne e.V. in Zusammenarbeit mit der Lettrétage e. V.


Berlin | 29. September 2018 | 15 – 16 Uhr
Ella und der falsche Zauberer
Ort: Kinderbuchhandlung Krumulus, Südstern 4, 10961 Berlin
Eintritt frei

Kinderbuchlesung aus Ella und der falsche Zauberer (Hanser, Sept. 2018)

Als Ella und ihre Freunde statt in die 3. nur in die 2 ½. Klasse versetzt werden, beschließen sie, ihren Lehrer zu verlassen und sich eine andere Schule zu suchen. Und zwar eine, in der alle rund um die Uhr Spaß haben! Dabei landen sie im Einkaufszentrum, wo gerade ein Juwelier ausgeraubt wird. Die Kinder enttarnen den Dieb sofort: Es ist der Zauberer, der im Shoppingcenter auftritt. Doch bevor die Polizei ihn schnappen kann, vertauscht der Räuber seine Tasche mit der eines Zuschauers. Und der ahnungslose Zuschauer ist: der Lehrer!

Der finnische Autor Timo Parvela, geb. 1964, war lange und gern Lehrer, bevor er Schriftsteller wurde. Er schreibt für Erwachsene und Kinder und wurde vielfach ausgezeichnet. In Finnland ist er der unbestrittene Star der Kinderliteratur, und auch in Deutschland sind die Bücher seiner Ella- und Pekka-Reihe Kult.

Elina Kritzokat, geb. 1971, übersetzt neben Romanen, Comics und Theaterstücken auch Kinderbücher aus dem Finnischen ins Deutsche, darunter neuerdings die von Timo Parvela, außerdem berichtet sie gern – auch kindgerecht – aus ihrer Übersetzerwerkstatt.


Berlin | 30. September 2018 | 13 – 16.30 Uhr
GLÄSERNEs ÜBERSETZEn
Ort: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Amerika-Gedenkbibliothek, Salon, Blücherplatz 1, 10961 Berlin
Eintritt frei

13 – 14.30 Uhr:
Dr. Michaela Prinzinger – aus dem Neugriechischen: "Gra-Grou" von Tasos Zafeiradis und Giannis Palavos, Zeichnungen von Thanasis Petrou

 Dr. Michaela Prinzinger, geb. 1963 in Wien, lebt und arbeitet als Autorin und Literaturübersetzerin in Berlin, Deutschland, und Leiden, Niederlande. Zu den von ihr übertragenen Autor*innen gehören Petros Markaris, Ioanna Karystiani und Rhea Galanaki. 2014 initiierte sie mit einer Gruppe von Kulturmittler*innen das zweisprachige Portal www.diablog.eu, deutsch-griechische Begegnungen, um kulturelle Bildung als einen gelungenen Weg der Verständigung zwischen dem deutsch- und dem griechischsprachigen Raum aufzuzeigen. 2015 wurde sie mit dem österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung ausgezeichnet. Sie ist Vorsitzende des 2017 gegründeten gemeinnützigen Vereins Diablog Vision e. V.

15 – 16.30 Uhr:
Oliver Kontny – aus dem Türkischen: "Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam" von Yavuz Ekinci

 Oliver Kontny, geboren 1974 in Dortmund, studierte Philosophie, Geschichte, Iranistik und Turkologie. Seit 2005 ist er freiberuflich in der Film-, Theater- und Literaturproduktion sowie als Dolmetscher und Übersetzer tätig. Unter anderem arbeitete er mit den Filmemachern Fatih Akın und Semih Kaplanoğlu zusammen. Zwischen 2009 und 2011 arbeitete er als Dramaturg am Ballhaus Naunynstraße. Gemeinsam mit Hakan Savaş Mican schrieb er dort "Schnee" frei nach Motiven des Romans von Orhan Pamuk. Sein eigenes Hörspiel "Republik der Verrückten" (DC bei buchfunk) mit Jasmin Tabatabai u.a. wurde 2014 für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert und gewann das Berliner Hörspielfestival. Er übersetzte vom Kultautor Emrah Serbes den Krimi "Behzat Ç. - Jede Berührung hinterlässt eine Spur" sowie die Erzählungen "Junge Verlierer" – Vignetten misslungener Maskulinität, die es auf die Hotlist Unabhängiger Verlage 2014 schafften. Neben eigenen Publikationen zur türkischen Literatur und zu postmigrantischem Kulturschaffen in Deutschland ist er vielgebuchter Konferenzdolmetscher in Medien, Politik und Kulturleben.

In Zusammenarbeit mit der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und dem sonntagsbureau

Berlin | 25. Januar 2018 | 20 Uhr
Spaltungen. Suizid Übersetzen
Die Literaturübersetzerin Claudia Hamm und der Kulturwissenschaftler Thomas Macho diskutieren über den Selbstmord des Autors.
Moderation: Ludwig Lohmann (Buchhandlung ocelot)
Ort: "ocelot, not just another bookstore", Brunnenstraße 181, 10119 Berlin
Eintritt 5 Euro

Ein Selbstmord stellt sämtliche Gewissheiten in Frage, das gilt für den, der in der Literatur inszeniert wird, wie auch für den, der ein Leben beendet. Der französische Autor Edouard Levé nahm sich 2007, wenige Tage nach der Abgabe seines Manuskripts "Selbstmord", das Leben. Welche Poesie geht einer solchen Entscheidung voraus? Wie bedingen das Schreiben über Suizid und der Suizid des Schreibenden einander? Wie nah ist ein Übersetzer dem Thema, das er/sie zu verhandeln hat? Welche Rolle spielt das für die sprachliche Gestaltung? Thomas Macho geht in seinem neuen Buch "Das Leben nehmen" in einem großen kulturwissenschaftlichen Aufriss auf solche Fragen ein. In einem gemeinsamen Gespräch nähern sich die Levé-Übersetzerin Claudia Hamm und Thomas Macho den Aufspaltungen eines Ichs, die es am Ende auslöschen.

Diese Bücher bilden die Textgrundlage für die Diskussion und Lesung:

Thomas Macho: "Das Leben nehmen. Suizid in der Moderne" (Suhrkamp 2017) "Der Selbstmord", schrieb Walter Benjamin in seinem Passagen-Werk, erscheint "als die Quintessenz der Moderne". Und in der Tat: Nachdem der Versuch, sich das Leben zu nehmen, über Jahrhunderte als Sünde oder Ausdruck einer psychischen Krankheit betrachtet, in einigen Ländern sogar strafrechtlich sanktioniert wurde, vollzieht sich seit dem 20. Jahrhundert ein tiefgreifender Wandel, der zur Entstehung einer neuen Sterbekultur beigetragen hat. Der eigene Tod gilt immer häufiger als "Projekt", das vom Individuum selbst zu gestalten und zu verantworten ist. Wer sich das Leben nimmt, will es nicht mehr nur auslöschen, sondern auch ergreifen und ihm neue Bedeutung geben. Thomas Macho erzählt die facettenreiche Geschichte des Suizids in der Moderne und zeichnet dessen Umwertung in den verschiedensten kulturellen Feldern nach: in der Politik (Suizid als Protest und Attentat), im Recht (Entkriminalisierung des Suizids), in der Medizin (Sterbehilfe) sowie in der Philosophie, der Kunst und den Medien. Er geht zurück zu den kulturellen Wurzeln des Suizids, liest Tagebücher, schaut Filme, betrachtet Kunstwerke, studiert reale Fallgeschichten und zeigt insbesondere, welche Resonanzeffekte sich zwischen den unterschiedlichen Freitodmotiven ergeben. Seine Diagnose: Wir leben in zunehmend suizidfaszinierten Zeiten.

Édouard Levé: "Selbstmord" (MSB 2012) Es gibt Bücher, die sind von den Umständen ihrer Entstehung so sehr geprägt, dass man sie, sobald man diese Umstände kennt, mit anderen Augen betrachtet und nie mehr unbefangen lesen kann. Das Manuskript von "Selbstmord" hat Édouard Levé im Oktober 2007 an seinen Verleger geschickt, der ihn kurz darauf zurückrief, seine Begeisterung mitteilte, und ein Treffen mit ihm ausmachte, um über den Text zu sprechen. Zu diesem Treffen kam es nie: Édouard Levé, zu diesem Zeitpunkt 42 Jahre alt, erhängte sich nur wenige Tage nach dem Telefonat und noch vor dem verabredeten Treffen in seiner Pariser Wohnung. "Selbstmord" ist sein Vermächtnis, es ist eine Ansprache an ein Gegenüber, das Selbstmord verübt hat, es ist die Rekonstruktion, das Wiederaufrufen einer scheiternden Biografie. Derjenige, der sich selbst tötet, hinterlässt den Hinterbliebenen offene, unbeantwortbare Fragen. Er lässt sie mit diesen alleine. Vor dem Hintergrund der Geschichte des Autors gewinnt dieser zarte, kluge, suchende Text eine schockierende Dringlichkeit, die aufwühlt und bewegt, bestürzt und berührt.

Thomas Macho, geboren 1952, war von 1993 bis 2016 Professor für Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität Berlin. Gegenwärtig leitet er das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien.

Claudia Hamm, 1969 geboren, ist Theaterregisseurin, Autorin und Übersetzerin. Von Carrère hat sie u. a. Limonow und Alles ist wahr übersetzt. Für Das Reich Gottes wurde sie für den Übersetzerpreis der Leipziger Buchmesse nominiert und hat den Übersetzerpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 2016 erhalten.

Eine Veranstaltung der Buchhandlung ocelot in Kooperation mit der Weltlesebühne e. V. (gefördert durch die Robert Bosch Stiftung), dem Suhrkamp Verlag und dem Verlag Matthes & Seitz Berlin.