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Weltlesebhne

Berlin | 25. September 2013 | 20 Uhr
„Manchmal könnte ich mich vor Wut in Stücke reissen“
Zwei zeitgenössische Romane aus Indien
Lesung und Gespräch mit Anna Petersdorf und Susann Urban
Moderation: Bettina Abarbanell

Ort: Literaturwerkstatt Berlin, Kulturbrauerei Haus 8,
Knaackstraße 97, 10435 Berlin
Eintritt: 5 / 3 €

Zornig sind sie, die Erzähler der beiden indischen Romane, die hier vorgestellt werden: Indra Sinha, Menschentier, aus dem Englischen übersetzt von Susann Urban (Edition Büchergilde, Frankfurt 2011) und Krishna Baldev Vaid, Tagebuch eines Dienstmädchens, aus dem Hindi übersetzt von Anna Petersdorf (Draupadi Verlag, Heidelberg 2012).

Shano arbeitet als Dienstmädchen in einem Mittelklassehaushalt, Animal ist Opfer einer Giftgaskatastrophe. Beide sind jung und ungebildet, aber nicht auf den Kopf gefallen. Shano schreibt Tagebuch, Animal bespricht Kassetten, und beide finden ihre eigene Sprache, in der Hindi, Englisch und Französisch bunt durcheinandergewürfelt sind. Sie zeigen uns die indische Gesellschaft aus der Perspektive der Ärmsten, durchleuchten Machtverhältnisse und balancieren auf dem schmalen Grat zwischen Komödie und Tragödie. Ihre Erzählungen zeugen vom Mut der Verzweiflung und von einer unausrottbaren Hoffnung auf ein besseres Leben.

Die Übersetzerinnen lesen aus ihren Übersetzungen und sprechen mit der Moderatorin Bettina Abarbanell über die schlitzohrigen Erzähler der Romane, über Sprachwirrwarr in Indien und darüber, wie Shano und Animal durch das Erzählen ihrer Geschichten zu anderen Menschen werden.

Zu den Teilnehmerinnen:

Anna Petersdorf, geb. 1981, studierte Indische Philologie und Nordamerikanistik mit Schwerpunkt Literatur an der Freien Universität in Berlin. Seither arbeitet sie als freie Übersetzerin für englische und Hindi-Literatur in Berlin. 2010 erschien der Sammelband Weißer Hibiskus mit Kurzgeschichten von Geetanjali Shree, 2011 die Anthologie Chili, Chai, Chapati, die anhand ausgewählter Geschichten einen Überblick über die Entwicklung der modernen Hindi-Kurzgeschichte gibt.

Susann Urban lebt als Übersetzerin aus dem Englischen in Stuttgart. Unter den zuletzt von ihr übersetzten Büchern: James Holman, Fühlend sehe ich die Welt (Malik 2010), John Steinbeck, Russische Reise (Edition Büchergilde 2011), David Malouf, Die tapfersten der Söhne (Edition Büchergilde 2012) und Farah Nurrudin, Gekapert (Suhrkamp 2013). 2011 kam der von ihr übersetzte Titel Der verlorene Vater von Edwidge Danticat (Edition Büchergilde 2010) auf die Shortlist des Internationalen Literaturpreises - Haus der Kulturen der Welt.
           

Bettina Abarbanell übersetzt aus dem Englischen, amerikanischen Englisch und Französischen, u.a. Jonathan Franzen und Denis Johnson. Von F. Scott Fitzgerald hat sie Der große Gatsby (Diogenes 2007) neu übersetzt. Sie lebt in Potsdam.

In Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin. Gefördert durch das Land Berlin (Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten).

Berlin | 3. September 2013 | 20 Uhr
Das Ich auf der Bühne. Zu Witold Gombrowiczs „Tagebuch 1953-1969"
Podiumsdiskussion und Lesung mit Klaus Völker und Olaf Kühl
Moderation: Dorota Stroińska

Ort: Literarisches Colloquium Berlin
Am Sandwerder 5
14109 Berlin
Eintritt: 6 / 4 €


1963 verlässt Witold Gombrowicz nach über 23 Jahren Argentinien und kommt als einer der ersten Stipendiaten der Ford Foundation nach Berlin (West). Walter Höllerer lädt ihn ins neu gegründete LCB ein, wo gerade die erste Autorenwerkstatt stattfindet… Der große polnische Schriftsteller wirkt auf seine Zeitgenossen exzentrisch, bizarr, theatralisch. In seinem Tagebuch verarbeitet er sein Leben im Exil und seine eigenen Fremdheitserfahrungen – auch die Monate in Berlin. Dabei lockt er den Leser nicht mit intimen Bekenntnissen, sondern zieht ihn in den Boxring seiner intellektuellen Rauflust. Das ist ebenso provozierend wie unterhaltend zu lesen. „Ich bin das Aspirin, das Krämpfe löst“, schreibt er dazu. Gombrowiczs Tagebuch ist aber ebenso die literarische Setzung einer charismatischen Figur: „Montag, Ich. Dienstag, Ich. Mittwoch, Ich. Donnerstag, Ich“. Doch wer ist dieses Ich, das wie in diesen berühmten ersten Zeilen auf der Bühne des Tagebuchs spricht? Mit welchen Masken und in welchen Rollen spielt es vor dem Leser? Und warum? Über den dramatischen Gehalt des Tagebuchs und über das schauspielerische Talent, das bei seiner Übersetzung nötig ist, über das Übersetzen als ästhetische Praxis und als Neuinszenierung eines literarischen Textes diskutieren Klaus Völker, Dramaturg und Theaterhistoriker und Olaf Kühl, literarischer Übersetzer und Schriftsteller. Das Gespräch moderiert Dorota Stroińska, Literaturübersetzerin.

Eine Gemeinschaftsveranstaltung der Weltlesebühne e.V., des Literarischen Colloquiums Berlin und des Polnischen Instituts Berlin.

Zu den Teilnehmern:
Klaus Völker wurde 1938 in Frankfurt am Main geboren, lebt in Berlin. Er ist Literatur- und Theaterkritiker, Schriftsteller und Übersetzer aus dem Französischen, Professor für Schauspielgeschichte und Dramaturgie. Von 1969-1985 war er leitender Dramaturg in Zürich, Basel, Bremen und Berlin. Von 1985-2001 leitete er den „Stückemarkt“ bei den Berliner Festspielen. 1992 wurde er zum Professor für Theatergeschichte und Dramaturgie an die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin berufen, deren Rektor er von 1993 bis 2005 war. Er hat zahlreiche Publikationen, u.a. über Brecht, Wedekind, Yeats und O’Casey veröffentlicht und ist Herausgeber der Gesammelten Werke von Max Herrmann-Neiße, Alfred Jarry sowie Boris Vian. Seit 2000 ist er Mitglied der Akademie der Künste, Berlin. Von 2003 bis 2006 war er Direktor der Sektion Darstellende Kunst. 2004 erhielt er den Hessischen Kulturpreis, 2005 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Olaf Kühl wurde 1955 in Sanderbusch/Friesland geboren, lebt in Berlin. 1995 promovierte er mit einer Arbeit über Stilistik einer Verdrängung. Zur Prosa von Witold Gombrowicz. Seit 1996 ist er Russlandreferent des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. Zugleich zählt er zu den renommiertesten Übersetzern aus dem Polnischen und dem Russischen, übertrug u.a. Werke von Andrzej Stasiuk und Witold Gombrowicz, Adam Zagajewski und Dorota Masłowska. 2005 erhielt er den Deutschen Jugendliteraturpreis für die Übersetzung von Dorota Masłowskas Schneeweiß und Russenrot sowie den Karl-Dedecius-Preis für sein polnisch-deutsches Übersetzungswerk. 2008 Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung für eine Recherche-Reise nach Sibirien. Im Winter 2011/2012 hatte er die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung an der Freien Universität Berlin inne. 2011 erschien sein erster Roman Tote Tiere, im September 2013 folgt sein zweiter: Der wahre Sohn (beide Rowohlt Berlin).

Dorota Stroińska, geboren 1965,lebt in Berlin. Übersetzerin aus dem Deutschen ins Polnische (u.a. K. Jaspers, R. Safranski, L. Seiler, Ch. Kracht, S. Lewitscharoff) und auch aus dem Polnischen ins Deutsche (u.a. W. Kuczok). 1998 erhielt sie den Übersetzerpreis des polnischen Übersetzerverbandes für ihre Übersetzung des Werks von Karl Jaspers Nietzsche. Sie ist Leiterin der Deutsch-Polnischen Übersetzerwerkstatt (ViceVersa). 2006 gründete sie in Berlin den „Sztamtysz“ – monatliche Workshops für Literaturübersetzer aus beiden Sprachen. Von 2010 bis 2012 Forschungsstipendium im Karl Dedecius Archiv (Theorie und Praxis literarischer Übersetzung). Seit 2013 Mitarbeiterin der S. Fischer Stiftung.

Berlin | 22. August 2013 | 20 Uhr

Daoismus und der große Müllhaufen

Liao Yiwus Sprache und Werk zwischen klassischer chinesischer Philosophie und der Weisheit der Straße

Mit Liao Yiwu (Schriftsteller), Karin Betz (Übersetzerin und Moderation), Yeemei Guo (Dolmetscherin)

Ort: Literarisches Colloquium Berlin
Am Sandwerder 5, 14109 Berlin
Eintritt: 6 /4 €

Liao Yiwu ist in Deutschland zuerst durch die Zeitschrift „Lettre International" bekannt geworden, in der seine Gespräche mit Menschen am Rande der chinesischen Gesellschaft abgedruckt wurden. Erst durch die deutsche Übersetzung gelangte der Autor, dessen Werk in China verboten ist und daher in der Originalsprache nur wenige Leser hat, zu internationalem Ruhm und Auszeichnungen. Die Biographie des Autors, der vier Jahre als politischer Häftling in Gefängnissen verbracht hat, sein Überlebenskampf und die Erfahrung von Solidarität und Niederträchtigkeit haben ihn zu einem sensiblen Chronisten seines Zeitalters und seiner Zeitgenossen gemacht. „Vier Jahre Gefängnis, das entspricht einem abgeschlossenen Bachelor-Studium", sagt er in der Erzählung „Bambusbläser".

Mit der Übersetzerin Karin Betz wird er sich über die Rolle der Philosophie und der Musik in seinem Werk und die Möglichkeiten und Grenzen der Übersetzung unterhalten, dazu werden Auszüge aus Erzählungen wie „Der Guqin-Meister" und „Bambusbläser" vorgestellt.

Zu den Teilnehmern:

Liao Yiwu wurde 1958 in Sichuan, China, geboren und trat literarisch erstmals in den 1980er Jahren als Dichter hervor. Nach dem 4. Juni 1989 wurde er aufgrund der Verbreitung seines Protestgedichts „Massaker" zu vier Jahren Umerziehung durch Arbeit verurteilt und schlug sich danach als Straßenmusiker durch. Mit seiner Haftzeit beschäftigt sich die Autobiographie „Für ein Lied und hundert Lieder". Für sein Werk und sein Wirken wurde er mit zahlreichen Preisen wie dem Geschwister-Scholl-Preis und zuletzt mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt. Er lebt im Exil in Berlin.

Karin Betz ist Sinologin und hat einen Teil ihres Studiums in Liao Yiwus Heimat Sichuan absolviert und übersetzt hauptsächlich aus dem Chinesischen, darunter Werke von Liao Yiwu, Yang Lian und Literaturnobelpreisträger Mo Yan. Wenn sie nicht auf Reisen ist, lebt sie in Frankfurt am Main.

Yeemei Guo stammt aus Taiwan und lebt seit 25 Jahren in Berlin. Als Dolmetscherin und Vermittlerin zwischen Autor und Übersetzer ist sie schon lange eine wichtige Brückenbauerin für Liao Yiwu.

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin und gefördert durch das Land Berlin (Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten).

Berlin | 20. Juni 2013 | 19 Uhr
Bühne frei für zwei Zweitautoren!
Ein Abend mit Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel

Ort: Mime Centrum Berlin
Kunstquartier Bethanien
Mariannenplatz 2
10997 Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Zwei erfahrene Theaterübersetzer plaudern aus dem Nähkästchen: Worauf kommt es an, wenn für die Bühne übersetzt wird? Wie geben sie ihren Autoren, zum Beispiel Olivier Kemeid, Neil LaBute, Jon Fosse oder Henrik Ibsen, und deren Figuren deutsche Stimmen – und wie gehen sie mit der Autorin um, die sie gemeinsam übersetzen, Yasmina Reza? Die beiden Übersetzer werden miteinander reden, mit verteilten Rollen aus einigen ihrer Werke lesen und Fragen aus dem Publikum beantworten.

Zu den Teilnehmern:


Frank Heibert, geb. 1960, lebt in Berlin. Studium Romanistik/Germanistik in Berlin, Rom und Paris. Promotion über das Wortspiel und seine Übersetzung am Beispiel des "Ulysses" von James Joyce. Seit 1983 Literatur- und Theaterübersetzer aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Portugiesischen. 1990-1995 Gründung und Leitung zebra literaturverlag (Berlin), zusammen mit Thomas Brovot. Freies Lektorat; Projektleitung und Moderation von Literaturveranstaltungen; Literaturrezensionen; Seminare und Vorträge zu Übersetzungsthemen. P.E.N.-Mitglied. Romanautor. Jazzsänger. Verschiedene Auszeichnungen. Übersetzte Werke von Don DeLillo, Richard Ford, Amos Oz, Tobias Wolff, William Faulkner, Tony Kushner, Nicky Silver, Neil LaBute, George F. Walker, Jerzy Grotowski, Peter Brook, Boris Vian, Alfred Jarry, Yasmina Reza, Michel Marc Bouchard, Olivier Kemeid, Jorge de Sena, Italo Svevo, Lina Wertmüller u.v.a.

Hinrich Schmidt-Henkel, geb. 1959, lebt in Berlin. Studium Germanistik/Romanistik. Seit 1987 literarischer Übersetzer aus dem Französischen, Norwegischen, Italienischen, Dänischen. Verschiedene Auszeichnungen. Tätigkeit als Moderator literarischer Veranstaltungen, als Sprecher, Fernsehautor (Kulturmagazin "Karambolage" auf Arte), als Referent bei und Leiter von Übersetzerseminaren. 1991-1993 Persönlicher Referent, dann Pressesprecher von Christina Weiss in deren erster Legislatur als Hamburger Kultursenatorin. Seit September 2008 im Ehrenamt 1. Vorsitzender des Verbandes der Literaturübersetzer VdÜ. Übersetzte Werke von Louis-Ferdinand Céline, Jean Echenoz, Jean-Marie Blas de Roblès, Tanguy Viel, Yasmina Reza, Albert Camus, Peter Brook, Olivier Choinière, Erik Fosnes Hansen, Erlend Loe, Jon Fosse, Henrik Ibsen, Arne Lygre, Matias Faldbakken, Tomas Vinterberg, Stefano Benni, Massimo Carlotto u.v.a.

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne, gefördert durch das Land Berlin (Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten), im Rahmen des Theatersalons im Mime Centrum Berlin.

Berlin | 8. Mai 2013 | 19 Uhr
Politik und Verbrechen
Auf Spurensuche mit Kommissar Charitos (Griechenland)
und Justizinspektor Chaparro (Argentinien)

Mit Michaela Prinzinger und Matthias Strobel
Moderation: Jörg Podzuweit

Ort: Berliner Büchertisch e. V.
Mehringdamm 51
10961 Berlin
Eintritt frei

Seit Jahren arbeiten die Übersetzer Michaela Prinzinger und Matthias Strobel mit ihren Autoren Petros Markaris aus Griechenland und Eduardo Sacheri aus Argentinien zusammen, die beide Kriminal- und Gesellschaftsromane über die historischen Entwicklungen und die aktuelle Situation in ihren jeweiligen Heimatstädten schreiben.

In Athen schickt Markaris („Zahltag", Diogenes 2012) seinen festen Ermittler Kostas Charitos auf die Spuren eines mysteriösen „nationalen Steuereintreibers", der auf fragwürdige Weise die Arbeit des griechischen Finanzministeriums „unterstützt".

In Buenos Aires spürt Sacheris Justizinspektor Benjamín Chaparro einem abscheulichen Verbrechen nach, das sich 1968 zur Zeit der argentinischen Militärdiktatur ereignet hat („In ihren Augen", Bloomsbury 2012). Dabei muss er erleben, dass die Vergangenheit ihn wieder einholt.

Der Radiojournalist Jörg Podzuweit begibt sich zusammen mit den Übersetzern und dem Publikum auf eine Reise in die beiden Großstädte - auf den Spuren des täglichen Abenteuers der Übertragung von einer Kultur in die andere.

Zu den Teilnehmern:

Michaela Prinzinger hat in Wien und Berlin Byzantinistik und Neogräzistik studiert und lebt als freie Autorin und Übersetzerin in Berlin. Seit 2000 hat sie zehn Bücher von Petros Markaris übersetzt. Aus der aktuellen „Trilogie der Kreise" sind zuletzt bei Diogenes „Faule Kredite" und „Zahltag" erschienen, und der dritte Band ist bereits in Arbeit ...

Matthias Strobel, der in Tübingen, Hamburg und Madrid Neuere deutsche Literatur und Spanisch studiert hat, lebt in Berlin und Buenos Aires. Er ist Übersetzer und betreibt eine auf südamerikanische Autoren spezialisierte Agentur. Von Eduardo Sacheri hat er „Die Hand Gottes und andere Tangos: Fußballgeschichten", „Warten auf Perlassi" und „In ihren Augen" übersetzt.

Jörg Podzuweit lebt in Berlin als Freier Texter und Konzeptioner für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit sowie als Dozent und Moderator. Für Radio multicult.fm produziert er die Sendung RadioCouch.

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne, gefördert vom Land Berlin (Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten) und freundlich unterstützt durch den Berliner Büchertisch e. V.

Berlin | 15. Januar 2013 | 20 Uhr
Weltlesebühne im Literaturhaus Berlin
Sprachfluchten

Mit Brigitte Große und Olga Radetzkaja
Moderation: Jörg Plath

Ort: Literaturhaus, Großer Saal
Fasanenstraße 23, 10719 Berlin
Eintritt 5 / 3 Euro

Eine Familie aus dem polnischen Kielce, eine andere aus dem ukrainischen Ostjor. Beide verlassen ihre Heimat, auf der Flucht vor den Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Sie landen in Paris, in Moskau. Unterwegs geht vieles verloren, vieles wird über Bord geworfen, darunter die Sprache der Kindheit, das Jiddische, die gemischten Idiome. Was wird, Jahre später, aus all dem? Unzuverlässige Erinnerungen, unausweichliche Dilemmata, unfreiwillige Komik - und der verzweifelte Versuch, der Vergangenheit zu entkommen oder sie verstehend zu bannen. Doch die Familie und ihre Geschichte ist „der Wal, der untertaucht, sobald wir uns nähern, und vor uns wieder auftaucht und uns den Weg versperrt."

Das lässt die einen verstummen, während die anderen gar nicht mehr aufhören zu reden: Die Figuren in Margarita Chemlins (Die Stille um Maja Abramowna, Jüdischer Verlag 2012) und Cécile Wajsbrots (Die Köpfe der Hydra, Matthes & Seitz 2012) Büchern begehen Vergangenheits- und Sprachflucht auf sehr verschiedenen Wegen. Sehr verschieden sind dementsprechend auch die Netze, mit denen die Autorinnen sie wieder einzufangen versuchen - und doch haben sie manches gemeinsam. Die Übersetzerinnen Brigitte Große und Olga Radetzkaja sprechen über die Überschneidungen zwischen den beiden Büchern, zwischen Suche und Flucht, und über ihre eigenen Strategien beim Auffangen der Erzählsplitter und Sprachfragmente.

Zu den Teilnehmern:


Brigitte Große übersetzt aus dem Französischen, u.a. Georges-Arthur Goldschmidt, Amélie Nothomb, Frédéric Beigbeder. Sie ist Trägerin des Hieronymusrings und leitet das Goldschmidt-Seminar für junge Literaturübersetzer sowie die deutsch-französische Vice-Versa-Übersetzerwerkstatt.

Olga Radetzkaja übersetzt aus dem Russischen, u.a. Pavel Florenskij, Jurij Lotman, die Brüder Presnjakov und Lev Tolstoj, und arbeitet seit 2008 als Redakteurin bei der Zeitschrift Osteuropa.

Jörg Plath arbeitet als Literaturkritiker und Journalist für die Neue Zürcher Zeitung, Deutschlandradio Kultur und den Deutschlandfunk.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Berlin, mit freundlicher Unterstützung der Robert Bosch Stiftung.

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